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SCHEIDGEN MARKTFOKUS Januar 2024

Neuwied, 01. Februar 2024
 

Wachsender Druck, Ergebnisse zu produzieren

Sehr geehrte/r Kundin/Kunde,

vernünftige Menschen wissen, dass man keine Ergebnisse produzieren kann. Das gilt auch für Investoren und Unternehmen. Dennoch scheint der Druck, genau das zu tun, immer größer zu werden.

An den Kapitalmärkten richtet sich der Blick immer stärker auf die amerikanischen Märkte. Sie stehen deshalb im Mittelpunkt meiner aktuellen Analyse. 

Der Start ins neue Jahr verlief zunächst holprig, doch trotz wieder leicht steigender Zinsen und der anhaltenden Sorgen um den Krisenherd Naher Osten konnten die US-Aktien, angeführt von den Technologiekonzernen, weiter zulegen

Alle Angaben in Euro - Quellen:Fonds professionell, Fondsweb, ETF-Extra

USA gegen den Rest der Welt

Die folgende Grafik zeigt das wachsende Ungleichgewicht zwischen der alten Welt und den aufstrebenden jungen Ländern, den Emerging Markets. Die Grafik umfasst einen Zeitraum von 5 Jahren, d.h. vor dem Beginn der Covid-Pandemie im Jahr 2020 und dem Krieg in der Ukraine im Jahr 2022. Die amerikanischen Aktien sind stark gestiegen, angeführt von den amerikanischen Technologiekonzernen. Aktien aus den Emerging Markets stagnierten dagegen und chinesische Aktien mussten herbe Verluste hinnehmen. Ist das ein realistisches oder ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit, wo doch die Zukunft in den Emerging Markets liegen soll?

231102Grafik Comdirect: S&P 500 Index, Hang Seng Index, Emerging Market-Index, Nasdaq 100 Index

Wirtschaftswunderland USA?

Erleben die USA ein neues Wirtschaftswunder, während der Rest der Welt darbt? Welches sind die Gründe, weshalb die Akien aus Schwellenländer sich schlecht entwicklen? Nach Beginn des Krieges in der Ukraine wurden russische Aktien für ausländische Investoren wertlos. Die an internationalen Börsen gehandelten Umtauschrechte werden an der Moskauer Börse nicht mehr eingelöst. Die neuen Konfrontationslinien verlaufen nicht erst seit dem Krieg in der Ukraine zwischen den USA und China. Wagt China den Griff nach Taiwan? Nach den bitteren Erfahrungen mit russischen Aktien ziehen sich internationale Investoren vor allem aus China zurück, um nicht in die gleiche Falle zu tappen. Glaubt man einigen Experten, ist China dabei, Amerika wirtschaftlich zu überholen. Es gilt als technologie- und innovationsfreundlicher als die Konkurrenz aus der westlichen Welt. Als Folge dieser politischen Entwicklungen sind Aktien aus den Schwellenländern aufgrund der Kursverluste sehr günstig, während US-Aktien nach dem rasanten Anstieg sehr teuer geworden sind.

Der feine Unterschied zwischen Groß und Klein

Ein weiteres Marktphänomen ist die wachsende Kluft zwischen den höher kapitalisierten Blue Chips und den kleineren Aktiengesellschaften. Die folgende Grafik vergleicht die Entwicklung von DAX und M-DAX. Der M-DAX bildet die Entwicklung der 50 größten deutschen Unternehmen ab, die nach ihrer Marktkapitalisierung dem aus 40 Unternehmen bestehenden DAX folgen. Diese auffällige Diskrepanz ist nicht nur in Deutschland, sondern weltweit zu beobachten. In der Breite der Märkte werden die Zukunftsaussichten wohl deutlich zurückhaltender eingeschätzt. Angesichts der sich weiter eintrübenden politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen scheint dies ein realistisches Bild zu zeichnen.

231103Grafik Comdirect Bank: DAX-40 versus M-DAX

Blasenökonomie? Die Einsätze der US-Notenbank steigen

Die Politik der US-Notenbank scheint trotz der massiven Zinserhöhungen von 0 auf 5,25% in kurzer Zeit bisher erfolgreich zu sein. Das Wirtschaftswachstum bleibt mit rund 3 % robust und die Inflation ist wieder rückläufig. Der wirtschaftliche Erfolg der Amerikaner wird seit der Präsidentschaft Trumps mit hohen Staatsdefiziten teuer erkauft. Mit dem "Inflation Reduction Act", dem größten Ausgabenprogramm der US-Geschichte, hat sich dieser Trend unter Präsident Biden weiter verschärft. Doch wie lange lässt sich diese unausgewogene Entwicklung noch fortsetzen? Als Folge des Zinsanstiegs gingen im März letzten Jahres einige Banken, darunter die Silicon Valley Bank, in die Knie. Nur durch massive geldpolitische Stützungsmaßnahmen und Einlagengarantien konnte ein Flächenbrand verhindert werden. In der Schweiz geriet zur gleichen Zeit die Credit Suisse in Schieflage und konnte nur unter Einsatz immenser staatlicher Mittel und Garantien durch eine Fusion mit der UBS vor dem Untergang bewahrt werden. Letztlich waren diese Rettungsaktionen erfolgreich. Sie zeigen aber die Verwundbarkeit des Systems. In der folgenden Grafik sehen Sie die steigenden Kapitaleinsätze der US-Notenbank zur Verhinderung und Milderung der Folgen von Rezessionen seit dem Jahr 2002. In der Finanzkrise wurde der Fed vorgeworfen, zu spät reagiert und eine tiefe Rezession in Kauf genommen zu haben. Bei der Pandemie handelten Regierung und Notenbank Hand in Hand. Die Rezession dauerte nur kurz und mündete in einen kräftigen Aufschwung, der zwar deutlich an Schwung verlor, aber bis heute anhält. Kritiker der US-Geld- und Fiskalpolitik werfen der Notenbank und der Regierung vor, die Wirtschaft übersteuert zu haben. Der Vorwurf einer Blasenökonomie steht im Raum. Blasen platzen irgendwann. Die Silicon Valley Bank war bereits eine. Im vergangenen Jahr wurde eine Rezession mit Rekordmengen an öffentlichen Geldern verhindert. Mehr denn je vertrauen die Märkte auf die Krisenmanagementfähigkeiten der US-Notenbank. Bisher ist die Rechnung aufgegangen. Ein blindes Vertrauen rechtfertigt dies nicht.
 
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Wenn die Phantasie Grenzen sprengt

Im Jahr 2000 platzte die Internetblase in den USA und 2008 die Immobilienblase. Sie beendeten jeweils eine Wachstumsphase, die auf gefühlten Vermögenseffekten durch steigende Aktien- und Immobilienpreise beruhte. Die Arbeitslosenzahlen waren niedrig und der Konsum florierte. Die US-Notenbank versuchte, die Konjunktur durch Zinserhöhungen zu dämpfen. Dies gelang jeweils eine Zeit lang, bis die Überbewertungen bei der Preisbildung von Aktien und Immobilien offen zu Tage traten. Die Diagnose eines "soft landing", einer "sanften Landung" der Wirtschaft, ohne in eine Rezession abzugleiten, hatte auch in den Jahren 2000 und 2007 "Hochkonjunktur". Heute ist die Situation anders, aber vergleichbar.

Eine der Aktien, die den Börsencrash von 2000 überlebt hat, ist Cisco. Sie finden den Chart nachfolgend. Es ist das Unternehmen, das auch heute noch die Ausrüstung für den Aufbau des Internet-Netzwerks liefert. Cisco war immer profitabel. Dennoch haben Anleger, die sich vom Internetboom um die Jahrtausendwende anstecken ließen, ihr eingesetztes Kapital bis heute nicht zurückerhalten. Heute heißt das meistgehandelte Unternehmen Nvidia, das hochspezialisierte Chips für Anwendungen der künstlichen Intelligenz herstellt. Qualität hat ihren Preis. Das galt auch für Cisco. Gute Investments zeichnen sich aber durch ein günstiges Preis-Wert-Verhältnis aus. Von Hypes sollte man sich fernhalten. Selbst gute Aktien wie der Impfstoffhersteller BioNTech notieren heute auf einem realistischen Niveau, das allerdings 75 Prozent unter dem Höchststand von 2020 liegt.
Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
 
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Resumee

Die Weltbank prognostiziert ein weiterhin schwaches Weltwirtschaftswachstum von nur 2,4 %. Dies ist der dritte Rückgang der Wachstumsrate in Folge. Die US-Börse, angeführt von den großen Technologiekonzernen, zieht weiter einsam ihre Kreise. Die US-Notenbank genießt das Vertrauen der Kapitalmärkte. Sie hat die Konjunktur gedämpft, die Inflation bekämpft und eine globale Bankenkrise verhindert. Die Hoffnungen ruhen auf ihr. Digital- und Finanzwirtschaft boomen. Die Realwirtschaft schwächelt. Insgesamt haben sich die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht verbessert. Der Druck auf die Unternehmen nimmt zu. Die erste Euphorie über die Einsatzmöglichkeiten von Künstlicher Intelligenz (KI) ist verflogen. Das deutsche Vorzeigeunternehmen SAP sieht ein großes Zukunftspotenzial für den Einsatz von KI. Gleichzeitig kündigt es die Entlassung von 8.000 Mitarbeitern an. Betroffen sind gut bezahlte Jobs im Vertrieb, in der Softwareentwicklung und in der Rechtsabteilung. Die Handelsblatt-KI-Redakteurin Larissa Holziki fasst ihre Eindrücke nach dem Besuch des Weltwirtschaftsforums in Davos so zusammen: "Niemand hat die Absicht, Mitarbeiter durch KI zu ersetzen. Es sei denn, es müssen Kosten eingespart werden".

Was bedeutet das für Sie als Investor? Nach einer langen Phase der Prosperität stehen die Zeichen für die Weltwirtschaft eher auf Abschwung als auf Aufschwung. In guten Zeiten wird für Krisen vorgesorgt. Dazu gehört das Halten von Liquidität, die nach der unwirklichen Zeit der Verwahrgebühren und Negativzinsen wieder bis zu 4 % Zinsen bringt. Auch die Suche nach guten und günstigen Aktien aus der zweiten und dritten Reihe scheint erfolgversprechend. Unter Berücksichtigung der politischen Risiken erscheinen Aktien aus Schwellenländern, insbesondere aus China, attraktiv. Diese Überlegungen können Sie als Privatanleger nicht steuern. Mein begrenzter Horizont würde mich auch überfordern. Ich kenne aber eine Vielzahl von risikoadäquaten Anlagestrategien, die sich in der Vergangenheit bewährt haben und auf einer vernünftigen und einer auf Fakten beruhenden Anlagepolitik basieren. Sie finden diese Kandidaten in meinem Referenzportfolio 2024, das ich im Jahresrhythmus mit den Daten vom 31.01.2023 aktualisiert habe. 
 
Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Ich wünsche Ihnen alles Gute verbleibe mit freundlichen Grüßen

Ihr

Michael Scheidgen
private finance e.K.
Stefan-Andres-Straße 23
56567 Neuwied
Telefon: 02631/953960

Impressum:

Der Text gibt die persönliche Meinung des Autors wieder. Eine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben kann trotz sorgfältiger Recherche nicht übernommen werden. Aus dem Inhalt können keine Anlageempfehlungen abgeleitet werden. Diese können nur auf Basis einer individuellen Beratung erfolgen. Hinsichtlich der Angaben zu Kursen und Charts weise ich darauf hin, dass die Wertentwicklung in der Vergangenheit kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung ist. Die Renditen können aufgrund von Währungsschwankungen steigen oder fallen.