Neuwied, 3. Juli 2020
Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,
 

als Reisende kennen Sie vielleicht das ungeplante Anhalten eines Zuges auf offener Strecke. Mit der Standard-Durchsage, dass sich die geplante Ankunft wegen “einer Störung im Betriebsablauf” verzögert, werden die Reisenden informiert. Ahand von drei Szenarien möchte ich Ihnen aufzeigen, wie die aktuelle Lage eingeschätzt werden kann.

Szenario 1: Oft werden Anschlusszüge verpasst, aber mit mancherlei Unannehmlichkeiten werden die Reiseziele schließlich erreicht. Viele Volkswirte und auch Markt-Beobachter gehen davon aus, dass das Corona-Virus als vorübergehende Störung im wirtschaftlich globalen Betriebsablauf zu sehen ist. Ist das Hindernis aus dem Weg geräumt, wird es weitergehen wie bisher. Dank der riesigen Geldmengenzuwächse aus Kredit- und Konjunkturprogrammen der Notenbanken und Regierungen wird die Lokomotive wieder Fahrt aufnehmen. In diesem Szenario wurde die Aufwärtsbewegung nur kurz unterbrochen und der Aufschwung an den Aktienmärkten geht unverrichteter Dinge weiter. In der Finanzkrise 2008/2009 waren die Rechnungseinheiten Milliarden. Sie brachten die Weltwirtschaft wieder in Schwung. Nun sind es Billionen. Wird diese optimistische Rechnung aufgehen? Ist nicht doch mehr Sand im Getriebe? Szenario 2: Die Lokomotive kann nur mit fremder Hilfe weiterfahren. Sie wird abgeschleppt. Nachdem der Konjunkturzug eine lange Zeit auf gerader Ebene unterwegs war, werden wir eine Zeitlang mit Gegenwind zu kämpfen haben. Ob mit eigener oder fremder Kraft, der Zug wird in jedem Fall weiterfahren. In diesem Fall geht man davon aus, dass die Tiefstkurse von März nicht mehr unterboten werden. Es sind weitere größere Korrekturen möglich, die schließlich auch die Voraussetzung für einen gesunden Aufwärtstrend sind. Szenario 3 ist eine deutlich pessimistischere Variante: Beobachter weisen darauf hin, dass einige Waggons nachhaltig abgehängt wurden. In ihnen sitzt eine große Anzahl der globalen Bevölkerung. Der Konjunkturzug kann daher nur mit gedrosselter Kraft weiterfahren. Selbst wenn es zu keinen weiteren Corona-Stopps kommen sollte, wird es lange dauern, bis alle Passagiere wieder an Bord sind. Die Lokomotive muss auch irgendwann mal wieder mit eigener Kraft weiterfahren. Der Schienenverkehr muss generalüberholt werden. Das alte Management des Unternehmens versucht mit wirkungslosen Maßnahmen die Maschine wieder flott zubekommen und verliert sich zusätzlich in Machtkämpfen, statt Probleme zu benennen und anzugehen. In diesem Fall liegen die eigentlichen Probleme der durch das Corona-Virus verursachten Störung noch vor uns. Die Aktienmärkte können die Tiefstände von März 2020 im Laufe der nächsten Monate noch unterbieten.

Meine Meingung ist, dass wir mit Blick auf die großen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Risiken vor großen politischen Herausforderungen stehen. Wir können zunächst nur auf Zeit spielen, um die Schäden zu begrenzen. Ein Ende dieses Zustandes ist noch nicht absehbar. Ich empfehle daher weiterhin eine defensive Ausrichtung der Anlagestrategie, die eine relativ hohe Liquiditätshaltung einschließt. Das Szenario 3 schwebt als Damoklesschwert über den Märkten, ohne das dieses ausreichend antizipiert wird. Ich rate daher weiter zur Vorsicht. Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.  

 
Ihr
Michael Scheidgen
 

Michael Scheidgen

private finance e.K.
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56567 Neuwied
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Norbert Labonte

Finanzanalyse & Strategie
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